Noch 100 Tage (und ein paar Stunden) bis
zum Anstoß der ®Fifa©-WM© in Südafrika! Und während noch geschäftig an Stadien
und Mannschaftsunterkünften gewerkelt, „Public Safety Officer“-Westen an
Parkwächter verteilt und die letzten Nicht-Sponsoren mit Klagen überzogen
werden wollen wir uns den Luxus gönnen kurz inne zu halten und auch mal an
Herrn Blatter zu denken…

Er war es immerhin
– er allein – der „Die Spiele“® auf diesen gottverlassenen, rückständigen
Kontinent gebracht hat und so seinen bescheidenen Teil zu Entwicklung und
Weltfrieden beigetragen hat. Und wo wir gerade über Weltfrieden reden – da war
doch noch was… Tue Gutes und sprich darüber, lautet seit jeher die Devise
geschäftstüchtiger Samariter und deshalb war ich nicht verwundert als ich las,
dass eben jener Herr Blatter (dem Schwarzafrika DAS Mega©-Event® seit seiner
Entdeckung verdankt!) mit dem Friedensnobelpreis liebäugelt. Warum auch nicht?
Wenn es neuerdings schon reicht nichts zu machen, um diesen Preis zu bekommen,
dann kann man als umtriebiger Schweizer (also als Herr Blatter, Chef der
weltumspannenden Hilfsorganisation ®Fifa©) wohl erst recht erwarten, dass man
als humanistischer Vorkämpfer damit bedacht wird.

Aber ob Herrn
Blatter (Freund und Förderer Afrikas®) der ihm zustehende Platz im Olymp der
Friedensstifter auch anerkannt wird hängt auch vom reibungslosen Ablauf eben
jenes Fußball©-Mega-Ereignisses ab, das den etwas heruntergekommenen Kontinent
unterhalb von Europa mal so richtig auf Zack bringen soll. Und das könnte hier, im Gegensatz zu
Deutschland, ein Problem werden – das weiß auch der Herr Blatter (Herrscher des
mächtigsten Sportverbandes auf der ganzen Welt). Aber ewiger Ruhm ist nun mal
nicht umsonst und niemand soll ihm hinterher vorwerfen können, er hätte sich den
Weg nach Oslo mit mickrigen Wahlreden oder ein, zwei Kinderheimen erschlichen.
Hier geht es um ganz andere Kaliber! Ein ganzes Land – ach was! – ein ganzer
Kontinent muss auf Vordermann gebracht werden. Und weil denen hier unten
einfach nichts zuzutrauen ist macht man das am besten mit altbewährten
Partnern. Da weiß man wenigstens, was man hat.

Soll ja keiner
„afrikanisches“ Bier aus Holzstümpfen oder so trinken müssen. Deshalb lässt
sich der gute Kumpel Budwiser© (Haus-“Bier“Brauer der Fifa©) nicht lumpen und schifft
dafür schönes amerikanisches Helles aus dem Heimatland der Demokratie über den
ganzen Ozean rüber zu den Schwarzen. Und sollte das nicht reichen, weil die
Engländer überraschend viel trinken, wird kurzfristig doch bei den
Einheimischen nachgekauft – gegen Glasperlen, so hört
man. Damit die Fußball©-Fans das aber nicht merken wird vorher penibel das
Etikett abgeknibbelt. Billige Arbeitskräfte gibts hier ja genug. Und sonst wäre
der gute Kumpel Budwiser auch bestimmt enttäuscht, der sich mit den ganzen
Schiffen ja so viel Mühe gegeben hat.

Auch den
Ticket©verkauf muss man an straffen Zügeln halten, damit alles nicht
entgleitet. Für Afrika hat sich der Herr Blatter (IT Vorreiter und Visionär)
deshalb was ganz besonderes ausgedacht: Internetverkauf! Das hat den Vorteil,
dass man auf den Seiten nur „Deutschland© 2006“ gegen „Südafrika© 2010“
austauschen muss und vor allem, dass die hier unten endlich mal einen Anreiz
bekommen sich PC-Kentnisse (und einen PC) zuzulegen. Kann ja nicht so schwer
sein. So gut es gedacht war, leider hat der Herr Blatter (Fifa©-Filantrop)
nicht mit der Faulheit der afrikanischen Massen gerechnet. Die wollen einfach
nicht begreifen und kaufen weder PCs, noch Tickets und scheitern meist schon an
der benutzerfreundlichen Startseite. Afrika, halt.

Neben der
IT-Bildung steht für die ®Fifa© die Infrastruktur ganz im Vordergrund der
Entwicklungshilfe. Und wer mal objektiv die Situation in Südafrika besehen hat
dem war schon immer klar: was dieses Land braucht ist ein teures Nahverkehrssystem
modernster Busse auf hochgelegten Spuren, hightech TV-Übertragungskapazitäten
und ein halbes Dutzend riesiger Stadien, die mehr Leute fassen können, als ihr
Standort Einwohner hat. Blatter sei Dank sind diese Prioritäten nun richtig
gesetzt und es wird weniger Geld für Trinkwasserversorgung, Wohnprogramme und
Gesundheitsfürsorge verschwendet. Dem Aufschwung Südafrikas als entwickelte
Fußballübertragungsnation steht damit nichts mehr im Wege! Und wer sich dabei
darüber beschwert, dass Südafrika kein menschenwürdiges Minimum an Trinkwasser
mehr garantieren kann, der versteht das Große Ganze (also ihn, den Herrn
Blatter) nicht. Außerdem kann der dann ja immer noch Bier trinken. Vorzugsweise
Budweiser.

[

Brot gibts zwar nicht, dafür
aber Spiele. Man kann halt nicht alles haben.]

Aber nur ein Land
zu befrieden wäre für einen vom Schlage Blatters (Großmäzen des „runden
Leders“®) noch viel zu wenig und reicht außerdem wahrscheinlich nicht für den
Friedensnobelpreis. Gut, dass quasi automatisch auch die umliegenden
Länder mitgerissen werden und die dort
leidende Bevölkerung zu Frieden und Wohlstand geführt wird. So hat z.B. der
Fifa©-Sonderemissär für Reisepakete (der nur zufällig Neffe Blatters des Großen
ist) mit einem wohltätigen Geschäftsmann aus Zimbabwe (der nur zufällig Neffe
des nicht ganz so großen Diktators Mugabe ist) einen lukrativen Deal
ausgehandelt, damit auch im armen Nachbarland etwas vom üppigen Geldregen
ankommt, der auf die ganze Subsahara-Region niedergehen wird. Vorzüglich.

Neben der
Entwicklungshilfe steht aber vor allem der Spaß und die Sicherheit der Fans®
ganz oben auf der Agenda von dem Herrn Blatter (der Weltmeister©-Meister,
sozusagen) – vor allem von denen aus Oslo. Und weil Afrika bekannt für
schlechte Qualität ist werden die Fifa©-TShirts und das Fifa©-Maskottchen®
sicherheitshalber in Asien produziert. Die kosten dann zwar ein Vielfaches von
dem, was der arme Südafrikaner monatlich zum Leben hat, aber das schillernde
Plastikviereck mit dem Emblem von Herrn Blatters eigener Organisation (der
Fußball©-Fifa) kann man wenigstens ehrfürchtig an den vorbeikommenden Touristen
bestaunen. Und damit niemand in die Verlegenheit kommt lächerliche
Draht-Schlüsselanhänger eines Straßenlümmels mit nach Hause nehmen zu müssen
und sich statt dessen für originelle Tassen mit Fifa©-Aufdruck entscheidet,
sorgt der Herr Blatter (der „Weiße Masai“) dafür, dass die so lange verklagt
werden, bis sie sich gar nicht mehr aus ihren Wellblechhütten trauen. Ist
sowieso besser fürs Stadtbild.

Die Bühne ist also
weitgehend bereitet, die Welt fiebert mit. In 100 Tagen wird nicht nur zum Anstoß
einer weiteren glorreichen Fußball©-Weltmeister®-Schaft gepfiffen, sondern zur
Entwicklung eines ganzen Kontinents. Der Herr Blatter und seine Fifa© haben
jedenfalls alles in ihrer beträchtlichen Macht stehende getan, dass es ein
sportlicher und humanitärer Erfolg wird: Schwarzafrika muss diese Chance nur
noch ergreifen. Aber selbst wenn außer einem Vorrunden-Aus für Italien nichts
weiter bei dieser WM© herum kommen sollte wäre der Nobelpreis (also
Friedens!-Nobelpreis) für den Herrn Blatter, der das alles möglich gemacht hat,
noch nicht vom Tisch. Arafat, Peres und Rabin haben ihren ja schließlich
auch bekommen…

[Tataaa: Zakumi, der (die? das?) nicht
nur japanisch klingt, sondern auch wie eine Manga-Figur aussieht, präsentiert
das Runde, das hinterher ins Eckige muss. Vorzugsweise dann aber nicht mit der
Hand…]*

*Bild
entnommen von http://oglobo.globo.com/blogs/africa10/