Diesmal
also Island. Das heißkalte Inselchen mit nur 300.000 Einwohnern hat
der nicht eben ruhmreichen Statistik der südafrikanischen
Fußball-Nationalmannschaft Bafana
Bafana
eine weitere Schmach
hinzugefügt. Ein gutes halbes Jahr vor der WM im eigenen Land
schwankt Südafrika nun zwischen gekünstelter Vorfreude und
frustriertem Desinteresse.

Während
die Radiostation Good Hope FM
vor jeder Nachrichtensendung tapfer die Tage zum Anstoß runter zählt
ist die Stimmung auf der Straße eher gedämpft. Und das gilt nicht
nur für die weiße Bevölkerung, die ohnehin eher die erfolgreichen
Springboks (Rugby) unterstützt oder die Farbigen, die eher den Siegen der Proteas (Kricket) entgegen eifern. Auch unter der schwarzen
Bevölkerung, in der der Nationalsport Fußball nicht nur geguckt und
diskutiert, sondern vor allem oft, überall und mit Leidenschaft
gespielt wird, bröckelt der Rückhalt. Eine meiner
Kursteilnehmerinnen aus dem Township Khayelitsha hat es gestern so
auf den Punkt gebracht: „Von wegen Unterstützung! Wir sollten die
viel weniger unterstützen. Vielleicht merken die dann, dass man
nicht einfach immer weiter so besch*** spielen kann!“

In dem Land, das
eine der buntesten und schrillsten Wms aller Zeiten ausrichten sollte, wird Fußball mittlerweile zum nicht mehr gesellschaftsfähigen Thema. Wer
gestern versuchte das Spiel gegen Island – eine der wenigen Chancen
auf einen südafrikanischen Sieg – zu gucken, musste investigative
Hartnäckigkeit besitzen. Bafana Bafana
vs. Iceland
wurde wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Kein Einheimischer wollte von dem Spiel wissen, geschweige denn es sehen. Keine südafrikanische
Internetseite gab die Anstoß-Zeit bekannt. In den Kneipen liefen
statt Fußball SoapOperas oder Nachrichten auf Zulu. Auch auf unser
Drängen hin konnte das nicht geändert werden – kein
Fernsehsender, weder öffentlich noch privat, übertrug das Spiel
oder auch nur Zwischenstände. Unbestätigten Gerüchten zufolge
sollte es zwar auf einer unbekannten Internetseite einen Livestream
des Spiels geben…. dem nachzugehen war es uns dann aber doch nicht
wert. Statt dessen saßen wir in einer Sportsbar auf der Lower
Mainroad, tranken ein Castle (das offizielle Bier von Bafana
Bafana
) und schauten die
Live-Übertragung des Spiels Brasilien vs. Costa Rica – wohlgemerkt
das der U20 Mannschaften…

Stell
Dir vor es ist WM und keiner geht hin.

Aber auch ohne hochklassigen Fußball wird die WM in Südafrika ein Erfolg. Hier ein Alternativprogramm:

Die Mother-City vom Lionshead aus gesehen. Oben links LionsRump mit Signal Hill, daneben die City Bowl mit dem Financial District; unten links die City Bowl mit Gardens und den Ausläufern des Devil’s Peak, rechts daneben die Stadteile Gardens, Tamberskloof, Oranjezicht und bereits Teile des Tafelberges…

… und endlich der Tafelberg in seiner ganzen Pracht.