Gut 15 Jahre ist es her, da hat
Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu Südafrika feierlich zur Regenbogennation
erklärt. Endlich sollte dieses Land, das über Jahrhunderte entlang der vielen
Color-Bars zerrüttet war, friedliche Einheit in Vielfalt werden. Und wenn man
bedenkt dass vor nicht einmal einem Vierteljahrhundert bürokratisch die
Hautfarbe von Menschen wie mit der Ikea-Farbpalette bestimmt wurde (nur dass
die Konsequenz nicht ein farblich misslungenes Sofa im Wohnzimmer, sondern über
Wohlstand, Rechte und Bildung entschied) hat sich schon viel verbessert.

Trotzdem ist und bleibt die
Hautfarbe in Südafrika ein ständiges soziales und politisches Menetekel. Ich
erlebe hier selber das erste Mal wirklich wie ich Menschen aufgrund ihrer
Hautfarbe einschätze und selber eingeschätzt werde. Es braucht mehr als
läppische 15 Jahre um den uralten Graben, den die seit 1652 andauernde Trennung
entlang dieses offensichtlichen Merkmals hinterlassen hat, zuzuschütten.

Ein Beispiel, das Wellen bis nach
Europa geschlagen hat, ist die Aufregung über den Sex-Test von
Südafrikaner(in?) Caster Semenya. Kaum wurde mit ihrem Geschlecht auch die
Legalität des südafrikanischen Sieges angezweifelt sahen hochrangige
Regierungsmitglieder eine weiße Verschwörung gegen die schwarze Semenya, der
man den Sieg nicht gönnen und sie mit rassistisch motivierten Verdächtigungen
diskreditieren wolle. Auch wenn alle Südafrikaner (egal welcher Hautfarbe), mit
denen ich gesprochen habe, diese Äußerungen für völlig daneben halten: das
Misstrauen sitzt tief.

Und das nicht nur bei der
schwarzen Bevölkerung. Diese Woche erhielt ein weißer Südafrikaner von Kanada
den Flüchtlingsstatus zugesprochen, weil er in seinem Heimatland Opfer
rassistischer Verfolgung sei. Diese Entscheidung hat zwar ebenfalls bei allen
Südafrikanern (ebenfalls egal welcher Hautfarbe) Kopfschütteln ausgelöst.
Trotzdem ist es nur die Spitze eines weißen Eisberges. Besonders Afrikaaner
fühlen sich mittlerweile als benachteiligte Minderheit im eigenen Land,
wirtschaftlich an die Wand gedrückt vom Black-Economic-Empowerment und täglich
gefährdet durch schwarze Kriminalität. So unsinnig diese Gefühle sind – 80%
aller Manager sind weiß und die weit überwiegende Kriminalität trifft die
schwarze Bevölkerung – sie sind vorhanden.

Deshalb wäre es auch falsch die Geschichte
dieses Landes, die nun einmal wie kaum eine andere von der Hautfarbe geprägt
wurde, zu ignorieren und so zu tun, als wären mit Gründung der Südafrikanischen
Republik alle Bürger farbenblind geworden. Sie sind es nicht. Andererseits
birgt das ständige Beachten der Hautfarbe die Gefahr alte Wunden immer aufs
Neue aufzureißen und so am heilen zu hindern. Von daher bleibt das Gleichnis
Desmond Tutus treffend: Alle Farben schillern zwar einzeln, aber nur gemeinsam
ergeben sie einen Regenbogen.

Ansichten aus Südafrika: die Waterfront, CampsBay mit den 12 Apostel, Sonnenuntergang an der Beach Road in Mouille Point (Cape Town)